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Erhaltung von Video

 

Kunst und Video

 

Seit den 1960er Jahren arbeiten und experimentieren Künstler mit der Videoaufzeichnung. Die frühesten Arbeiten entstanden auf Offenspulbändern, ab 1971 wurden diese allmählich durch U-matic-Kassetten verdrängt. Die technologische Weiterentwicklung brachte dem analogen Zeitalter noch viele weitere Videoformate: VCR, VHS, Video 2000, MII, Betamax, Betacam, Betacam SP, Video8 und Hi8. Seit Mitte der 1990er Jahre erobert das digitale Video auch die Videokunst mit einer Flut von kurzlebigen Formaten unterschiedlicher Eigenschaften und Qualitäten bis hin zu den High Definition-Formaten der Gegenwart und Zukunft.

 

Video im Archiv

Offenspulbänder, Kassetten und Videodateien sind als Träger zeitgeschichtlicher Dokumente auch in Archiven und Bibliotheken vertreten. Aufgrund der guten Zugänglichkeit des Mediums Video und seiner Möglichkeit, es direkt nach der Aufzeichnung betrachten zu können, ohne es wie den Film zuerst entwickeln zu müssen, hat die magnetische Aufzeichnung auch die Bereiche der Dokumentation erobert. Davon zeugen viele Videodokumente mit Inhalten von (sozial-)geschichtlicher Relevanz. Aber auch in privaten Haushalten hat Video Einzug gehalten und Kassetten unterschiedlicher Consumerformate enthalten viele Familiengeschichten.

 

Videokunstsammlungen heute

Videokunstsammlungen heute setzen sich aus einer Vielzahl diverser, analoger und digitaler Videoformate aus unterschiedlichen Epochen der Videokunst zusammen. Je nach Ausstellungs- und Lagerungsgeschichte der Bänder sind diese in unterschiedlich guten oder schlechten Zuständen. Häufig ist der Zustand auch unbekannt, wenn v.a. die älteren Formate schon längere Zeit nicht mehr gesichtet worden sind.

 

Video – Das gefährdete Medium

Wie die Bildträger in den traditionellen Künsten sind auch die physischen Materialien eines Videobandes der Vergänglichkeit unterworfen: Bänder können verschmutzen, verschleissen, zerkratzen, zerknicken, schrumpfen und ausleiern. Das Bindemittel kann sich zersetzen und dabei klebrig werden oder das Gleitmittel kann als Folge seiner Alterung austreten.
Der bedrohlichste Faktor jedoch wird gemeinhin unterschätzt und kommt einer physischen Zerstörung des Bandes in der Regel zuvor: die Veraltung der Technologie. Sobald die kommerzielle Herstellung eines Bandformates und der dazugehörigen Abspielgeräte eingestellt wird, beginnt die Verwendung dieses Mediums auch im Kunstkontext immer teurer und aufwändiger zu werden: Geräte und Ersatzteile können nicht mehr nachgekauft werden, und nur noch spezialisierte Fachkräfte verfügen über das nötige Know-How für Reparaturen. Der Zugang zu dem aufgezeichneten Videomaterial wird erschwert bis unmöglich.

 

Digitalisierung und Dokumentation

Bei der Konservierung von Videokunst wird besonderer Wert auf die Erhaltung der Signalintegrität gelegt. D.h., im Zuge der Digitalisierung eines analogen Videosignales dürfen keine willkürlichen Korrekturen z.B. der Farbsättigung oder des Kontrastes vorgenommen werden. Es gilt, durch Monitoring des Signals die authentische Erscheinung des historischen Videomaterials zu erhalten und nicht durch die heutigen, verbesserten technischen Möglichkeiten nachträglich zu schönen.

Digitales Video kann auf verschiedenen Bandformaten oder als Datei auf Festplatten abgespeichert werden. Der immer preisgünstiger werdende Festplattenspeicher erlaubt inzwischen auch grösseren Sammlungen und Archiven, Massenspeicher für unkomprimierte Videodateien anzulegen. Ausschlaggebend für diese  Erhaltungsstrategie ist eine redundante Abspeicherung und sinnvolle Backup-Lösungen. Technische Metadaten müssen festgehalten werden, damit die Dateien auch Jahre später noch abgespielt werden können.

 

Dokumentation der originalen Videobänder und -kassetten

Das von einer SammlerIn oder einem Museum angekaufte Videokunstwerk besteht in der Regel aus einem Datenträger (oftmals Kassette) und gegebenenfalls Zertifikaten, Installationsanweisungen etc.

Je nach Entstehungszeit und KünstlerIn sind diese Kassetten oftmals gestaltet oder mit wichtigen Hinweisen für die Aufführung versehen, so dass Erhaltung und eine Dokumentation dieser Datenträger oberste Priorität ist. Zur Dokumentation gehören nicht nur die Erfassung des Erscheinungsbildes, des Zustandes der Kassette sondern auch die genaue Bestimmung aller technischen Daten.

Mit dieser Dokumentation als Basis wird auch die Arbeit der Kuratoren und Registrare unterstützt: Die aufgenommenen technischen Eckdaten lassen sich vereinfacht in die Datenbank eines Museums übertragen. 

 

(Textauszug: Atelier für Videokonservierung, Bern)